Kölner Stadt-Anzeiger, von Jürgen Feibig, 31.10.2011 BENIMMREGELN Über den Umgang mit MenschenIn Weidesheim fand die „Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen“ ein neues Domizil. Die Kleeburg, Firmensitz des Textilunternehmens von Michael Freiherr von Korff, wurde als Stammsitz auserkoren. EUSKIRCHEN-WEIDESHEIM - Acht Jahre vor seinem Tod im Jahr 1796 veröffentlichte Adolph Freiherr von Knigge sein Buch „Über den Umgang mit Menschen“. Er befasste sich darin sehr detailliert mit dem persönlichen Auftreten und der Wirkung auf andere Menschen. Manche seiner „Nachfahren“ im Vorstand der Deutschen Knigge Gesellschaft (DKG) haben mit der eigenen Umsetzung dieser Regeln womöglich ihre Probleme. Während der jüngsten Jahreshauptversammlung im März 2011 legten nämlich sieben mit der Führung unzufriedene Vorstandsmitglieder ihre Ämter nieder. Auch die Vizepräsidentin Tosca Freifrau von Korff trat zurück. Sie steht jetzt an der Spitze der vor sieben Monaten gegründeten „Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen“ (KGMU). In Weidesheim fand man ein neues Domizil. Die Kleeburg, Firmensitz des Textilunternehmens von Michael Freiherr von Korff, wurde als Stammsitz der neuen Gesellschaft auserkoren. Am Samstag trafen sich aus ganz Deutschland und der Schweiz beschlussberechtigte Mitglieder der KGMU zur ersten Hauptversammlung. Stellenwert der Hierarchie Im Vordergrund standen bei den „Kniggologen“ besonders Empfehlungen für Menschen, die entweder bereits im gehobenen Business-Bereich arbeiten oder eine Tätigkeit dort anstreben. Bemerkenswert war dabei die Tatsache, dass die Regel „Ladies first“ teilweise außer Kraft gesetzt wurde, denn im Berufsleben verfügt die Hierarchie jetzt über einen höheren Stellenwert. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass der Angestellte, der im Büro seinen Chef samt dessen Ehefrau antrifft, zunächst seinen Chef begrüßt und erst dann die Ehefrau. Wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass der Angestellte abzuwarten hat, dass ihm sein Vorgesetzter die Hand reicht. Übrigens, die weißen Hemden, die die Männer gerne bei nahezu allen Gelegenheiten tragen, kamen auch auf die schwarze Liste. Weiße Hemden sind nur für Anlässe wie Kommunion, Heirat und Beerdigung gedacht. In der Männerwelt gibt es noch einen weiteren echten Fashion-Fauxpas: Es soll doch tatsächlich Männer geben, die einen aus dem englischen Polo-Sport stammenden Kragen namens „Button-down-Kragen“ mit einer Krawatte versehen. Dabei sollte man sportive Hemden niemals mit einer Krawatte zieren. Auch bei der Damen-Bekleidung hat sich in der Berufswelt einiges getan. Da sich die Frauen früher angreifbar fühlten, wenn sie eher weiblich und mädchenhaft auftraten, orientierten sie sich an den Männern, und bald ging der Trend verstärkt zu Jeans, Hosenanzügen und Hemdblusen. Heute nun setzt man auch bei den Frauen wieder mehr auf modische Akzente, bei denen auch auf weibliche Reize nicht ganz verzichtet werden muss. Ein betont tiefer Ausschnitt oder High Heels sind dennoch nicht gefragt. Allerdings dürfen die Damen auch im Büro und in gehobener Stellung wieder glattlederne, einfarbige Stiefel ohne Verzierungen mit einer maximalen Absatzhöhe von sechs Zentimetern tragen. Blickdichte, farbige Strümpfe, die nicht gerade mit dem Charme hautfarbener Kompressionsstrümpfe daherkommen, sind auch wieder erlaubt. Wer höhere Weihen im oberen Management anstrebt, tut gut daran, die Ringe vom Zeigefinger und den „Brilli“ vom Nasenflügel zu entfernen. Die „Kniggologen“ sind der Meinung, dass Kleidung ebenso Orientierung gibt wie die allgemeinen Umgangsformen oder die bekannten Tischsitten. Da besonders die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen auf Orientierung angewiesen sind, bietet die KGMU auch für diese Zielgruppe Kurse hierzu an. |
![]() Die Vorstandsdamen der „Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen“ mit Burgherr von Korff in der Mitte |

