Blickpunkt am Sonntag, Euskirchen, 21.11.2011

Weibliche Akzente statt "Ladies First"

Empfehlungen der auf der Kleeburg in Weidesheim ansässigen
Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen


Weidesheim (sac). "Ladies First" gibt es nur noch außerhalb des Büros. Weiße Hemden sind Anlasshemden, Herren sollten stattdessen bedenken: Streifen sind das neue uni. Damen im Business dürfen in diesem Winter Kleider und blickdichte Strümpfe tragen, aber bitte kein tiefes Dekolleté. Kurz gefasst sind dies die neuen Empfehlungen der "Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen" (KGMU), die nach ihrer Gründung im März jetzt ihren Stammsitz auf der Kleeburg in Euskirchen-Weidesheim hat. Dort trafen sich die Präsidentin, Tosca Freifrau von Korff, und weitere sechs Damen aus dem Vorstand zu ihrer ersten Jahreshauptversammlung.

Das Anliegen der KGMU ist es, mit ihren Empfehlungen einen wertschätzenden Umgang der Menschen in der Gesellschaft zu schaffen. Über die Vermittlung von zeitgemäßen Verhaltensregeln und gesellschaftlichen Werten wie Respekt, Hilfsbereitschaft und Achtsamkeit möchten sie das Miteinander der Menschen erleichtern. Zur Umsetzung dieser Ziele bietet die Gesellschaft deutschlandweit und in der Schweiz Seminare zu Themen wie Tischsitten, Umgangsformen oder Businesskleidung an. Die 23 zertifizierten Etikette-Trainer kommen unter anderem aus den Bereichen Wirtschaft, Bankensektor, Medizin und Gastronomie.

Zur ersten Jahreshauptversammlung bot der neue Stammsitz der Gesellschaft, die Kleeburg in Weidesheim, gleichzeitig Sitz des Bekleidungsunternehmens "Daniels & Korff", ein passendes Ambiente. Im Festsaal der Burg entwickelte der Vorstand die neuen Empfehlungen der Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen, dieses Mal mit dem Schwerpunkt auf Businesskleidung.

Im Büro kommt es jetzt auf Akzente an: Farbakzente bei den Herren, weibliche Akzente bei den Damen. Die Herren sollten auf Streifen setzen oder pastellfarbene Hemden mit farbiger Krawatte oder Einstecktuch kombinieren. Weiße Hemden dagegen sind Anlasshemden und im Büro "unkreativ, langweilig und unschmückend", so die Präsidentin, Tosca Freifrau von Korff.

Wer dachte, bei einem weißen Hemd macht man nichts falsch - weit gefehlt. "Weiße Hemden passen zu allem, sind aber modisch völlig daneben." Einig war man sich, dass die Herren in diesem Bereich sensibilisiert werden müssten. Zum Beispiel für die Grundregel: keine kurzärmeligen Hemden im Büro. Denn es gilt immer noch, das Hemd muss einen Zentimeter unter dem Jackett hervorkommen.

Die Damen dürfen mit Kleidern, Zierborten und Rüschen weibliche Akzente setzen. Sollten sie früher auf weibliche Reize verzichten, die ihre Kompetenz in Frage stellen könnte, kann man die "Herrenverkleidung" jetzt im Schrank lassen. Allzu offen sollten sie ihre Reize aber nicht zur Schau stellen, tiefe Dekolletés, Miniröcke und Highheels gehören nicht ins Büro. Dafür dürfen blickdichte Strümpfe und klassisch glatte Stiefel in gedeckten Farben mit zwei bis sechs Zentimeter Absatzhöhe jetzt in die Winterkollektion aufgenommen werden.

Die Empfehlungen der Kniggologen zu Businesskleidung gelten für alle, die im Berufsleben stehen, insbesondere für diejenigen mit Kundenkontakt. Es sollen aber keine steifen Vorschriften sein, die den Menschen das Leben schwer machen. Vielmehr wolle man mit den Empfehlungen Orientierung geben und am Puls der Zeit bleiben. Denn: Knigge ist zeitlos.

Im Gegensatz zu so mancher Benimm-Regel, so erklärte Tosca Freifrau von Korff: "Ladies First gilt heute nicht mehr!" Zumindest im Beruf geht es heute nur noch nach Hierarchie. Begrüßt werden zuerst der Chef und erst dann seine Ehefrau. Der Gentleman kann sich aber immer noch positiv absetzen. "Die Tür aufhalten und in den Mantel helfen geht natürlich immer noch", schmunzelt Vorstandsmitglied Christina Robke.

Für Knigge-Interessenten im Raum Euskirchen ist Christiane Plöger aus Pulheim die richtige Ansprechpartnerin. Sie bietet Seminare zu Umgangsformen, Farb- und Stilberatung und Tischsitten bereits für Kinder ab fünf Jahren. Christiane Plöger ist eine der wenigen Kindertrainerinnen, die sich mit der Präsidentin für Kinder-Knigge, Katharina Höchemer, für Bildung und Erziehung einsetzt. Das Projekt "Knigge kinderleicht" wurde zusammen mit Pädagogen und Psychologen entwickelt und kann auch in Schulen und Kindergärten angeboten werden. Über den privaten Spendenverein "Knigge mit Herz" können die Kurse dort zu besonderen Konditionen angeboten werden.

Durch den neuen Stammsitz auf der Kleeburg kann man sich in Euskirchen auch auf weitere Seminare, Workshops oder Tanzveranstaltungen in der Region freuen. Möglich ist auch, dass der zweite Deutsche Kniggeball in der Umgebung oder gar auf der Kleeburg veranstaltet wird. Sollte dies der Fall sein, kann natürlich im Vorfeld ein Knigge für Galas absolviert werden, inklusive Tanzkurs, Einweisung in Ballgarderobe, Frisur, Make-up, ...

Wer es erst einmal langsam angehen möchte mit dem Knigge, kann auf der Internetseite der Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen kostenlos Mitglied werden und erhält vierteljährlich in einem Newsletter die Empfehlungen der Kniggologen. Ganz nach der Maxime der Präsidentin: "Es ist nie zu spät. Manieren, Umgangsformen und Kommunikationsgeschick kann man lernen."


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Benimmregeln

Die Damen vom Vorstand der Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen, Barbara Danowski (v.l.), Katharina Höchemer, Christiane Plöger, Tosca Freifrau von Korff, Barbara Rumpf, Dr. Rosetta Meier und Christina Robke, im Festsaal der Kleeburg mit dem Hausherrn, Michael Freiherr von Korff.
(Foto: Stefanie Ackermann)