Kölnische Rundschau, von Simone Kurth, 20.03.12
Das Knigge-Training für junge Arbeitslose
„Es ist gar nicht so einfach, Charity-Knigge anzubieten, umso mehr freuen wir uns mit solch einem professionellen Menschen wie Lukas Harlan zusammen zu arbeiten.
Weidesheim - „Es ist gar nicht so einfach, Charity-Knigge anzubieten, umso mehr freuen wir uns mit solch einem professionellen Menschen wie Lukas Harlan zusammen zu arbeiten. Das passt perfekt zueinander“, erklärte Christina Robke, Vorstandsmitglied der Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen (KGMU).
Auf ihrem Stammsitz, der Kleeburg in Weidesheim, gab die KGMU nun bekannt, dass sie mit ihren 24 Knigge-Trainern das Projekt „Job act“ der „Projektfabrik“ unterstützen und im Rahmen dessen kostenlos Knigge-Seminare geben. Offiziell wurde der Vertrag von Tosca Freifrau von Korff, Präsidentin der KGMU, und Lukas Harlan, Leiter der Unternehmenskommunikation und Projektmarketing der „Projektfabrik“, unterzeichnet.„Knigge hat immer ein wenig den Ruf des Elitären. Freiherr Knigge schrieb in seinem Buch ,Über den Umgang mit Menschen’: Knigge für jedermann. Und genau da möchten wir ansetzen. Für gute Umgangsformen sollten nicht der soziale Hintergrund, die Bildung oder das Portemonnaie entscheidend sein“, so Tosca Freifrau von Korff.
Das Projekt „Job act“ richtet sich an Arbeitslose unter 25 Jahren. Es dauert insgesamt zehn Monate. In den ersten fünf Monaten erarbeiten die 20 Teilnehmer ein Theaterstück von der Idee bis zur Umsetzung bei der Premiere. In der zweiten Phase absolvieren die jungen Erwachsenen ein fünfmonatiges Praktikum. „Zwischen den beiden Phasen wird nun Knigge angeboten. Die Idee dahinter ist, den jungen Erwachsenen in allen Lebenssituationen Umgangssicherheit zu geben, so Lukas Harlan.
Derzeit werden die Projekte der „Projektfabrik“, die ihren Sitz in Witten in Nordrhein-Westfalen hat, in neun Bundesländern in insgesamt 31 Städten angeboten. Unterstützt werden sie von den Job-Centern, über die auch die Anmeldung läuft, der Großbank JP Morgan und der Europäischen Union. Tosca Freifrau von Korff ist von der Zusammenarbeit mit der „Projektfabrik“ begeistert: „Wir möchten die Hemmschwelle senken. Gerade beim Praktikum oder bei der Ausbildung lernen die jungen Erwachsenen immer wieder neue Leute kennen. Wir geben ihnen Tipps für den Umgang und wie sie offener werden.“ Die Knigge-Trainer üben mit den Teilnehmern von „Job act“ beispielsweise das Vorstellen und die Begrüßung, beim Bewerbungsgespräch oder beim Ausbildungsbeginn.
„Das Thema ,Distanzzone’ ist ebenfalls sehr wichtig. Beim Händedruck muss ich meinem Gegenüber in die Augen schauen, nicht zu fest drücken oder gar hoch und runter schütteln und auch im richtigen Moment loslassen“, erläuterte Tosca Freifrau von Korff.
Gibt man heute noch die Hand?
Freundlichkeit und Höflichkeit stehen im Vordergrund. „Wir setzen heute immer voraus, dass jemand höflich ist, aber so selbstverständlich ist das gar nicht mehr. Viele Menschen sind unsicher. Gibt man jemandem noch die Hand?“, so Tosca Freifrau von Korff. Und liefert die Antwort gleich mit: „Ja, man gibt – und es ist gut, dass das noch mal jemand sagt und erklärt.“
Weitere Themen für die Knigge-Trainer sind der Umgang mit Visitenkarten, Smalltalk und die Etikette bei Tisch. Hierzu gibt es eine Praxisübung. Auch die richtige Kleidung ist wichtig. Michael Freiherr von Korff, Besitzer der Kleeburg und Mitglied der KGMU, gibt eine Anregung fürs richtige Outfit beim Arbeitsbeginn: „Bei einer Bank rate ich dem Auszubildenden zu einem grauen Anzug, nicht zu konservativ, sondern mit einem jungen, modischen Schnitt. Mit einem weißen Hemd und einer Krawatte dazu macht man nichts falsch – wobei ich das langweilig finde. Ich würde zu einem blau-weiß gestreiften Hemd raten. Manschettenknöpfe trägt man nicht, wenn man gerade angefangen hat, sondern erst in der oberen Etage.
Generell sollte man nicht besser gekleidet sein als der Chef selbst.“ Sauber und gepflegt sei die generelle Devise, egal in welchem Beruf. Jeder solle mit gepflegten Händen, gutem Haarschnitt, sauberen Schuhen und geputzten Zähnen auftreten. Christiane Plöger aus Pulheim ist als Knigge-Trainerin für den Bereich Euskirchen zuständig. Sie hat die Zusammenarbeit zwischen der KGMU und der „Projektfabrik“ ins Rollen gebracht. „Ich habe die Jugendlichen erlebt, die sind so glücklich, wenn sie einen Praktikumsplatz bekommen und wissen, wie sie sich richtig verhalten.“
www.projektfabrik.org
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Offiziell unterzeichnet wurde der Vertrag von der Knigge-Gesellschaft für Moderne Umgangsformen und der „Projektfabrik“ von Tosca Freifrau von Korff (v. l.) sowie Lukas Harlan (r.). Foto: Kurth
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